Mittwoch, 4. November 2015

Gottfried Hofbauer: Die geologische Revolution

Gottfried Hofbauer: 
Die geologische Revolution  
Wie die Entdeckung der Erdgeschichte unser Denken veränderte
 


Bereits das alte Württemberg war ein Land, in dem sich die Leute wie sonst vielleicht nirgendwo für Geologie interessierten. Kein Wunder, stolpert man bei einer Wanderung über die Schwäbische Alb doch ständig über irgendwelche Versteinerungen.

Verwunderlich ist es aber trotzdem, wie groß das Interesse an der geologischen Vergangenheit, an der Entstehung der Welt, an den Erdzeitaltern, an Versteinerungen und mehr insbesondere in (evangelischen) Theologenkreisen war. War das eine Folge des Pietismus? Waren die Theologen nicht ausgelastet? Oder war das strenge Landexamen, das diese schaffen mussten und das wohl nur die Besten der Besten zuließ daran „schuld“? Man weiß es nicht, man wird es nie ergründen.

Jedenfalls ist Baden-Württemberg als Land mit seinen Menschen geradezu prädestiniert für ein solches Buch.

Entdeckung der Erdgeschichte = schwindendes Vertrauen in die biblische Schöpfungsgeschichte
Im 18. und 19. Jahrhundert fand in den Köpfen der Menschen eine Revolution statt. Bis dahin hatte man sich bei der Vorstellung von der Zeit vornehmlich an die biblische Schöpfungsgeschichte gehalten und gefolgert, dass Vergangenheit und Zukunft nur von kurzer Dauer seien. So gab es die populäre Berechnung des Bischofs Ussher, wonach die Erde am Abend vor dem 23. Oktober 4004 v. Chr. erschaffen wurde

Autor Gottfried Hofbauer zeigt anschaulich, wie mit der Entdeckung einer langen und ereignisreichen Erdgeschichte und dem Konzept einer Evolution der Arten, das Vertrauen in die biblische Schöpfungsgeschichte schwand. Erst durch diese Revolution im Denken der Menschen öffnete sich die uns heute selbstverständlich gewordene, nahezu unbegrenzte Zukunft.

Doch mit der Entdeckung, dass in den Gesteinen die Zeugnisse einer langen und ereignisreichen Erdgeschichte dokumentiert sind und nachdem Darwin sein Konzept zur Evolution der Arten vorlegte, begann sich diese Vorstellung aufzulösen. Mit dem Vertrauensverlust in die biblische Geschichte schwand die Erwartung vom baldigen Ende der Welt. Hofbauer macht in seinem Buch deutlich, wie wissenschaftliche Erkenntnis das Denken und Lebensgefühl des Menschen nachhaltig verändert.

Der Rahmen des Buches spannt sich von der Naturgeschichte über Figurensteine - als Beispiele dienen die auch auf der Schwäbischen Alb gar nicht so seltenen Belemniten - über Erdgeschichte, Granit und Vulkane zu Darwin und seiner Evolutionsgeschichte. Den Schluss bildet ein Kapitel über die „Ab- und Wiederkehr der Erdgeschichte“.

Das auch für Nichtwissenschaftler lesbare - und für alle lesenswerte - Buch kann nur allen empfohlen werden, die sich für die Geschichte der Erde interessieren. Ein anderer Ansatz in der Darstellung, Aspekte, die man sonst nicht berücksichtigt findet und zahlreiche Details machen es zur interessanten Lektüre.

Zum Autor:
Dr. Gottfried Hofbauer, geb. 1955, hat nach dem mit der Promotion abgeschlossenen Geologiestudium an mehreren DFG-Projekten mitgearbeitet. Von 1985-2008 durchgehend Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen-Nürnberg, Zahlreiche Exkursionen und Studien in Deutschland, Europa und Australien. In den letzten Jahren freiberuflicher Wissenschaftler mit einer Vielzahl von Projekten in der geowissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit.

Hofbauer, Gottfried: Die geologische Revolution. Wie die Entdeckung der Erdgeschichte unser Denken veränderte. 160 S. mit 40 s/w Abb., Bibliographie. und Register. Gebunden, 14,5 x 21,7 cm, Fadenheftung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2015. ISBN: 978-3-534-26728-6. € 29,95, Mitgliederpreis: € 24,95.
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