Dienstag, 22. November 2016

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): Was ist schwäbisch?

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): Was ist schwäbisch?
Reihe: Landeskundig, Band 2
Tübinger Vorträge zur Landesgeschichte



Hat das Schwäbische zur Zeit Hochkonjunktur? Man könnte es fast meinen, schließlich widmet sich die große Landesausstellung Baden-Württemberg derzeit auch den Schwaben und nun kommt im Thorbecke ein Buch mit dem Titel „Was ist schwäbisch?“ heraus.

Als Schwabe freut man sich ja darüber, dass man einmal nicht nur als dummer August mit „JajaSoso“ und ähnlichen Peinlichkeiten konfrontiert wird. Und man hat es ja schon immer gewusst - die Schwaben sind wer. Schon im Mittelalter waren die Schwaben ja ein überaus geachteter Volksstamm, nur später ging es bergab mit diesem Ansehen.

Also, was ist schwäbisch? Was haben die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler herausgefunden?
Neun Beiträge sind in dem Buch enthalten, über Schwäbisches vom Frühmittelalter bis heute. Was ist schwäbisch? Maultaschen, Linsen mit Spätzle, Daimler, Äffle und Pferdle, die Kehrwoche oder doch Persönlichkeiten wie Schiller und Uhland? Die Frage nach dem »Schwäbischen« kann schwerlich von einem Einzelnen beantwortet werden, hat hiervon doch jeder seine eigenen Assoziationen.

Das: interdisziplinär ausgerichtete Buch fasst die Ergebnisse einer Studium Generale-Reihe aus dem Jahr 2014 zusammen. Also waren die Tübinger ihrer Zeit voraus! Die Vorträge wurden jetzt im zweiten Band der Reihe "Landeskundig" im Thorbecke-Verlag zusammengefasst. Den Vorträgen des Studium Generale entsprechend sind die Aufsätze allgemeinverständlich gehalten, vermeiden aber dankbarerweise trotzdem die unsäglichen Kehrwochen- und „Sosojaja“-Anspielungen - auch wenn das Cover Schloss Lichtenstein zeigt, ein Motiv, das immer die Aufmerksamkeit an Heimatgeschichte interessierter Leser erweckt.

Das Buch beginnt mit dem Mittelalter, dem Herzogtum Schwaben, der Stauferzeit, dem Minnegesang, geht dann über in Texte über den schwäbischen Dialekt unter Berücksichtigung und Abgrenzung der und zu den benachbarten fränkischen, alemannischen und bairischen Dialekte(n), schwäbische Familiennamen - Stichwort Endung „…le“ - und die hiesige Literatur zwischen 1770 und 1870. 

Weitere Themen sind die schwäbische Küche ab dem Mittelalter des englischen Historikers Paul Freedman, die traurige Geschichte der Schwabenkinder aus Vorarlberg und Tirol, die nach Oberschwaben verschickt wurden und deren Schicksal heute wohl niemand erleben möchte, und endet mit einer Ausarbeitung über den Fleiß der Schwaben, Titel „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ - also wurde letztendlich doch mit einem Klischee die Aufmerksamkeit erweckt, die das ganze Buch verdient!

Zu den Herausgebern:
Prof. Dr. Sigrid Hirbodian. Studium der Fächer Geschichte und Germanistik in Mainz. Seit August 2011 Direktorin des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften in Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Geistliche Frauen im Mittelalter, ländliche Gesellschaft, Burg und Adel, Stadtgeschichte, südwestdeutsche Landesgeschichte.
Tjark Wegner hat Geschichte und Latein an den Universitäten Trier und Tübingen studiert. Seit November 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Kommunikation und Netzwerke, Wissen und Wissenstradierung im Spätmittelalter sowie der Epistolografie und Epigraphik.

Sigrid Hirbodian, Tjark Wegner (Hrsg.): "Was ist schwäbisch?" Reihe: Landeskundig, Band 2 Tübinger Vorträge zur Landesgeschichte. 228 Seiten. 37 Abbildungen. Format 14 x 22 cm, Hardcover. Jan Thorbecke Verlag. 1. Auflage 2016. ISBN: 978-3-7995-2071-3. 16,95 Euro.
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.


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