Dienstag, 12. September 2017

Claus-Joachim Kind / Nicholas J. Conard: Als der Mensch die Kunst erfand. Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb

Claus-Joachim Kind /
 Nicholas J. Conard: 
Als der Mensch die Kunst erfand
 Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb



UNESCO-Weltkulturerbe. Das ist doch was. Die Eiszeithöhlen auf der Schwäbischen Alb haben die Auszeichnung, um die lange gekämpft worden ist, verdient.

Nicholas Conard und Claus-Joachim Kind, beide Archäologen und Grabungsleiter, entführen den Leser in die eiszeitliche Welt, zeigen und erklären die großartigen Funde.

Aus dem Wissen von eher wenigen, von Einheimischen und von Fachleuten, ist nun ein Wissen vieler geworden. Und das wird sich sicher noch steigern. Denn wo sonst wurde so etwas gefunden, wo gibt es so etwas zu sehen?

Vor mehr als 40.000 Jahren breitete sich der moderne Mensch nach Europa aus. Funde, die sich dem Homo sapiens zuordnen lassen, machte man auch auf der Schwäbischen Alb, vor allem in Höhlen in Ach- und Lonetal, die Weltkulturerbe werden sollen. Hier hat man die weltweit ältesten Nachweise mobiler Kunst entdeckt. Berühmt sind die Venus vom Hohle Fels als älteste Darstellung eines Menschen (einer Frau!) und der Löwenmensch aus der Stadel-Höhle, ein Mischwesen aus Mensch und Löwe.

Kunstvolle kleine Plastiken aus Mammutelfenbein bilden die eiszeitliche Tierwelt ab - Mammut, Wisent, Pferd, Höhlenlöwe und Höhlenbär, einen Wasservogel im Flug. Gefunden hat man außerdem die bislang weltweit ältesten Musikinstrumente: Flöten aus Mammutelfenbein und Vogelknochen. Was erzählen uns die Funde über die Menschen und ihre Lebensweise?

Beginn: Fast bei Adam und Eva …
Das Buch holt aber noch weiter aus: Es beginnt mit den Eiszeiten überhaupt: Wie entsteht eine Eiszeit, erklärt die Würmeiszeit, die Kalt- und Warmzeiten und die Tiere und Pflanzen jener Perioden.

Danach folgt aber schon der Mensch der Eiszeit. Von „Out of Africa“ über den Neandertaler zu den Jägern und Sammlern und ihren heutigen Entsprechungen. Der Text führt weiter zur Steinzeit, die mitsamt ihrem Material, dem Stein also, beschrieben wird. Dazu gehört auch eine Beschreibung der Menschen in der Altsteinzeit. Ein Exkurs beschäftigt sich mit den altsteinzeitlichen Jägern.

… aber in Höhlen
Nun sind die Autoren bei den Höhlen der Schwäbischen Alb angekommen. Dieses Kapitel führt ein in die Entstehung der Höhlen, die Anfänge der Höhlenarchäologie, die Entwicklung der Grabungstechniken und in ein wieder ästhetischeres Kapitel: Höhlen mit Eiszeitkunst.

Damit wäre rund ein Drittel des Buches beschrieben. Die folgenden zwei Drittel sind den weltweit einzigartigen Höhlenfunden gewidmet. Ebenso der Fundgeschichte. Wozu leider auch die Geschichte der Raubgrabungen gehört. Vogelherd, Hohlenstein, Stadel, Hohle Fels, Geißenklösterle sind die Höhlennamen, Vogelherdpferd, Flöte, Löwenmensch, Venus die bekannten Exponate.

Abschließend geht es um das UNESCO-Welterbe und was dazu gehört. Ein mehrseitiges Glossar nimmt Rücksicht darauf, dass das Gros der Leser wohl keine Fachleute sein werden. Für Interessenten wird sogar noch beschrieben, wo, wann und wie man die Höhlen besichtigen kann.

Soweit zum Inhalt. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass das Buch auch optisch und haptisch ein Genuss ist. Wer genug gelesen hat, der schwelgt in der Bilderwelt. Menschen, Landschaften, Kunstwerke sind abgebildet, als Fotografien- auch historische - oder als Zeichnungen. Wer die Kunstwerke zum Beispiel nur aus Abbildungen in Zeitungen kennt, erlebt hier ihre ganze Schönheit im Großformat.

Über die Autoren:
Prof. Dr. Claus-Joachim Kind ist Referent für Steinzeitarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Von 2008 bis 2013 leitete er mehrere Grabungskampagnen im Hohlenstein-Stadel im Lonetal. Bei diesen Ausgrabungen wurden weitere Teile des Löwenmenschen geborgen, die bei umfangreichen Restaurierungsarbeiten an die Figur angesetzt werden konnten. Seit 2014 folgten weitere Sondierungen im Lonetal.
Prof. Dr. Nicholas J. Conard ist Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie an der Universität Tübingen, außerdem wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren. Er beschäftigt sich mit der frühen Menschheitsentwicklung im eurasischen und afrikanischen Raum sowie den Anfängen von Ackerbau und Viehzucht.
Die Autoren haben zahlreiche Grabungskampagnen in den Eiszeithöhlen der Alb geleitet und zentrale Funde zutage gefördert.

Nicholas J. Conard / Claus-Joachim Kind: Als der Mensch die Kunst erfand. Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb. Mit Vorworten von Winfried Kretschmann, Bernd Engler und Claus Wolf. 192 Seiten mit 110 farbigen Abbildungen und 5 Karten. Gebunden mit Schutzumschlag. Theiss Verlag – WBG, 2017. ISBN 978-3-8062-3563-0. 39,95 €.
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