Sonntag, 10. Juni 2018

Jüdisches Leben in Bayern, Baden und Württemberg

Jüdische Spuren im
„Lieblichen Taubertal“

Eigentlich grenzt es an ein Wunder: Wenn man an die schrecklichen Geschehnisse der beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten Nacht des Verbrechens an einem Teil der deutschen Bevölkerung denkt, glaubt man, es sei kaum was vom jüdischen Leben und der Kultur übrig geblieben.



 "Kauft nicht bei Juden" - zu sehen im Jüdischen Museum in Creglingen

Alles ging in Scherben, in Flammen auf. Auch in Tauberfranken, dessen schönster Teil sich heute „Liebliches Taubertal“ nennt und ein Reiseziel erster Klasse für alle Arten von Interessen gilt.

Hier findet man Zeugnisse jüdischen Lebens im und um das Taubertal.
Zu sehen im Jüdischen Museum in Wenkheim.

Deshalb wundert sich der geschichtsbewusste Bürger aber, wenn er immer wieder im Land doch noch Zeugnisse jüdischer Kultur, alten jüdischen Lebens entdeckt. Oder aus der Zeit nach dem Leben. Zum Beispiel jüdische Friedhöfe. Wenn man sich im Land umsieht, sind noch einige erhalten. Trug dazu bei, dass sie außerhalb der Orte lagen? 



 Zu sehen im Jüdischen Museum in Tauberbischofsheim

Eine Reise auf den Spuren jüdischer Vergangenheit – und Gegenwart – in Tauberfranken zeigt einiges, zeigt Reste und Wiederbelebtes, von dem Otto Normalmensch nicht glaubt, dass es das gibt.


 Ein Beispiel von vielen: Jüdischer Friedhof von Külsheim


Jüdische Kultur im Lieblichen Taubertal

Nordbaden hatte eine verhältnismäßig große Zahl an jüdischen Einwohnern. Sie waren Deutsche, sie fühlten sich als Deutsche, sie lebten als Deutsche - und das trotz einer seit jeher schlechten Behandlung, die man sich gar nicht vorstellen mag. Die Kreisarchivarin Claudia Wieland hat dankenswerterweise die Geschichte der Juden im Taubertal zusammengefasst.



Erste Erwähnungen jüdischen Lebens im Taubertal finden sich im Jahr 1218 für Grünsfeld und im Jahr 1222 für Wertheim, was zugleich die ältesten Nachweise jüdischer Ansiedlungen in Baden-Württemberg sind.



Zwischen den an der Tauber lebenden Juden und den jüdischen Gemeinden am Main, insbesondere in Würzburg bestanden stets enge Kontakte. Im Zusammenhang mit den Kreuzzügen, aufgrund von Ritualmordvorwürfen und angeblichen Hostienschändungen sowie im Gefolge der sich ausbreitenden Pest kam es zu mehreren großen Verfolgungswellen. In den Jahren 1096, 1146/47, 1234/1235, 1298, 1336 und 1348/49 mussten die Judengemeinden große Opferzahlen bis hin zur völligen Auslöschung der Gemeinden beklagen. Dokument dieser Verfolgungszeit ist das Nürnberger Memorbuch, das die von den Pogromen betroffenen Orte sowie die Namen der Ermordeten in den fränkischen Städten und Dörfern aufführt. Eine andere Form der Erinnerung an diese Verfolgungen und zugleich antijüdische Propaganda sind noch heute erhaltene Bilddarstellungen von Hostienschändungen in Lauda und Röttingen.



Ungenügender Schutz des Kaisers für seine "Kammerknechte"

Der Schutzherr der Juden, der deutsche Kaiser, war in Schwächephasen nicht in der Lage, die dem Reich als "Kammerknechte" anvertrauten Juden gegen lokale Verfolgungen zu schützen. Trotz der ihnen ausgestellten Schutzprivilegien und der dafür geleisteten Geldzahlungen waren die Juden stets Ziel von Vertreibung, Ausplünderung und Mord. Das Judenregal als solches war ebenso Gegenstand kaiserlicher Macht- und Finanzpolitik.



Nachdem zunächst der Hochadel den Judenschutz und die damit verbundenen Einnahmen dauerhaft für sich erringen konnte, waren in der frühen Neuzeit nahezu alle Landesherren berechtigt, Schutzbriefe auszustellen und über die Ansiedlung von Juden in ihrem Territorium zu entscheiden. Phasen der Ausgrenzung und Ausweisung aus einzelnen Gebieten wechselten sich mit liberaleren Phasen ab, jeder Landesherr agierte eigenständig.



Probleme: Ansiedlung und erlaubte Berufe

Die regionale Kleinräumigkeit und territoriale Zersplitterung des tauberfränkischen Gebiets ermöglichte es vertriebenen Juden, in nicht allzu großer Entfernung zu ihrem Herkunftsort neue Aufnahme zu finden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aus dem Fernhandel bereits im Hochmittelalter verdrängt, waren die Juden in der Tauberregion wie auch andernorts hauptsächlich im Geldverleih, dem Wein-, Vieh- und Kleinhandel tätig. Gestattet war meist nur die Ansiedlung einiger weniger Familien pro Ort. Die rechtlichen Einschränkungen, denen Juden unterworfen waren, dokumentieren sich in landesherrlichen Judenschutzordnungen.



Sachzeugnisse der mittelalterlichen Judengemeinden sind mit Ausnahme von Grabsteinen in Wertheim und Würzburg nicht vorhanden, erst aus der Neuzeit sind Friedhöfe, Synagogen- und Wohngebäude sowie einige in Museen befindliche Objekte aus dem jüdischen Umfeld erhalten. Die Judenemanzipation setzte in Folge der Aufklärung in der Region verhalten ein, erst die politischen Veränderungen nach 1803/1806 schufen eine verbesserte Rechtsgrundlage für jüdisches Leben. Die völlige rechtliche Gleichstellung der Juden mit ihren christlichen Nachbarn erfolgte erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dies war auch die Phase der höchsten Mitgliederzahlen der rund 30 jüdischen Gemeinden im Gebiet des heutigen Main-Tauber-Kreises.



Ende der jüdischen Kultur und Neuzeit

Berufsbedingte Abwanderung in größere Städte und Industriezentren sowie die Auswanderung nach Amerika ließen die Zahl der jüdischen Gemeinden schon vor der Zeit des Nationalsozialismus zurückgehen. Der NS-Staat setzte ab 1933 jüdischem Leben dann ein gewaltsames Ende. Nach Verfolgung und Entrechtung in ihrer Heimat wurden die letzten badischen Juden am 22.10.1940 deportiert, die württembergischen Juden ereilte dieses Schicksal in den Jahren 1941/42. Seitdem existieren im baden-württembergischen Teil des Taubergebiets keine jüdischen Gemeinden mehr, die jüdische Gemeinde für Würzburg und Unterfranken hat mittlerweile wieder rund 980 Mitglieder.



Quelle: Liebliches Taubertal/Autorin: Claudia Wieland, Kreisarchivarin 

 
Rothenburg ob der Tauber
Auch in der berühmten Stadt mit dem altdeutschen Flair und der Fachwekherrlichkeit gab es jüdisches Leben. Wie überall mit Aufs und Abs. So viel, dass die Stadt sogar als „fränkisches Jerusalem“ bezeichnet wurde. Heute jedoch ist alles passé, es gibt keine jüdische Gemeinde mehr hier.
 
Bis zurück ins Mittelalter reicht die Geschichte der Juden in Rothenburg ob der Tauber. Wer sich auf Spurensuche macht, wird noch einige Spuren der jüdischen Kultur im Mittelalter und im 20. Jahrhundert entdecken. Nicht zuletzt in der Judaica-Abteilung im Reichsstadtmuseum.

Nach dem Einchecken und einem kleinen Imbiss im Hotel Glocke, das umgeben von einem kleinen putzigen Häuslein und dem historischen Plönleinturm inmitten der Rothenburger Altstadt liegt ging es sofort tief hinein in die Abgründe der Geschichte der Juden in Tauberfranken. Nun, den Juden ging es in den vergangenen 2000 Jahren überall schlecht, aber auch hier verdienten sich Bevölkerung, Adel und Klerikus keine Orden in Sachen Menschlichkeit im Miteinander. 



Viel Wissen: Vortrag der Kreisheimatplfegerin
Die Archivarin und Kreisheimatpflegerin Claudia Wieland ist eine gute Kennerin der hiesigen Vergangenheit und auch des jüdischen Lebens hier. Sie und ihr unerschöpfliches Wissen zu erleben und sich anzuhören war zwar anstrengend, weil Fakt auf Fakt, Pogrom auf Vernichtung, Katastrophe auf Aberglauben, Ritualmordgeschichte auf Mikwe seit der ersten Nennung von Juden hier im Jahr 1218 in Grünsfeld folgte, so dass man als Mensch im Zeitalter der Aufklärung nur den Kopf schütteln konnte – obwohl die letzten dunklen Kapitel der Geschichte noch lange kein Jahrhundert her sind – aber das Zuhören lohnte sich. Auch wenn man sich nicht alles merken konnte, aber der Eindruck und das Mitgefühl blieb. Und hier häuften sich vielleicht die Vorkommnisse, wurde doch Rothenburg das „fränkische Jerusalem“ wegen der relativ großen jüdischen Bevölkerungsgruppe genannt. Interessant, dass die Ausschreitungen oft stattfanden in wirtschaftlichen Notzeiten – der Mensch suchte also einen Sündenbock für Unglück und Ereignisse, die er nicht verstand. Die Hexenexzesse späterer Zeiten ließen grüßen.





Mit dem Pfarrer auf den Spuren der jüdischen Geschichte
Nahtlos ging es weiter. Der mit der Geschichte der Juden intensiv bewanderte evangelische Pfarrer Dr. Oliver Gussmann führte uns auf den Spuren jüdischer Geschichte durch Rottenburg. Wenig ist zwar noch zu sehen davon, aber viel gab es zu hören. 




Von dem in ganz Europa berühmten jüdischen Gelehrten Rabbi Meir Ben Barouch, von jüdischen Gräbern und Friedhöfen an Stellen, an denen sie heute von Parkplätzen überdeckt statt ausgegraben sind (obwohl man sagen muss: so sind sie vermutlich am besten vor menschlicher Dummheit geschützt!), von der einstigen Synagoge, dem ehemaligen Mikwe, also dem Bad, in dem die Juden zu Anlässen zur Reinigung ins 9 Grad kalte Wasseruntergetaucht wurden, die uns heutigen lachhaft vorkommen: Frauen nach der Menstruation, Menschen nach dem Geschlechtsverkehr oder schlichtweg vor dem Sabbat. Reinigung über alles – und auch der jüdische Glaube schützte natürlich nicht vor Dummheit und Grausamkeit. Mensch bleibt eben Mensch. Zur Erinnerung und Mahnung wurden mittlerweile auch in Rothenburg sogenannte Stolpersteine vor Häusern angebrachte, in denen früher Juden lebten. Beschriftet sind die bis jetzt zwölf Steinen mit einigen Worten zum Leben der einstigen Hausbewohner.




Und Dr. Gussmann wusste viel. Von den Anfängen des Judentums, das wohl auch gleich am Anfang der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber stand bis hin zur Vertreibung der Juden im unseligen Dritten Reich, so dass die Bevölkerung nach den 12 Tausendjahren guten Gewissens sagen konnte, aus Rothenburg wurde kein Jude in Vernichtungslager geschickt. Dafür aber gehörten Stadt und Gegend zu den größten Anhängern der braunen Katastrophe und seinerzeit rühmten sich die Rothenburger, die erste Stadt in Deutschland zu sein, die judenfrei sei! Trotzdem ist die Judengasse, die auch in der Zeit der Naziherrschaft seltsamerweise ihren Namen behalten hat, die besterhaltene Judengasse mit dem besterhaltenen Hausbestand jüdischer Häuser in Europa!




Vorbei. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Rothenburg, die nächste findet man in Würzburg. Zurück von den Vertriebenen bzw. ihren Nachkommen und Verwandten kam auch niemand. Nur die Geschichte blieb.



Sie blieb und ist u.a. zu sehen im Reichsstadtmuseum, das eine kleine, aber hochinteressante Abteilung für jüdische Geschichte hat. Hier sieht man die ehemaligen Gräber eines der plattgemachten Friedhöfe, einen Gedenkstein zu einem der Vernichtungsexzesse, Gerätschaften und – und das wohl einmalig – ein Modell einer jüdischen Mikwe, also eines Ritualbades, in dem sich die Menschen durch Untertauchen vor vermeintlicher Verschmutzung reinigten.



 Modell einer Mikwe

Abschließend kamen wir noch in den besonderen Genuss, die Jakobskirche mit dem berühmten Riemenschneideraltar und den sonstigen Kunstwerken in einer Sonderführung mit dem Pfarrer besichtigen zu dürfen. Tabernakel mit Verzierungen, Hochaltar mit Bildwerken und Schnitzereien und die riesigen Glasfenster sind wohl die Highlights, zu mehr war auch keine Zeit. Beeindruckend war auch der Gemäldezyklus mit der Rothenburger Passion, bei dem die Juden bei der Ecce homo-Szene, in der Pilatus die Menge fragte, was er mit dem Delinquenten, sprich Jesu, machen solle, und die Menge rief „Kreuzige ihn“. Die Juden, und um die handelte es sich damals ja, war in bester Stürmermanier mit Wulstlippen, Haken und Knollennasen und wutverzerrten Gesichtern dargestellt. 



Glaubt jemand noch an die gute alte Zeit? Oder daran, dass früher alles besser war? Oder gar daran, dass die Menschheit Fortschritte in Sachen Menschlichkeit gemacht hat? Gott erhalte seine Einfalt. Jeder Gaffer an einer Autobahnunfallstelle belehrt einen eines besseren (bzw. schlechteren …).











Trotzdem entdeckten wir bemerkenswerte Dinge: Die Beschneidung Christi und einem Gemälde – es darf hierbei an die heilige Vorhaut erinnert werden, die zuweilen durch die katholische Kirche geistert – mit einem Beschneider mit Brille (!), mit Petrus, ebenfalls mit Brille – zur Entstehungszeit des Bildes also wohl das absolute „must have“ unter der mittelalterlichen Prominenz. In den Glasfenstern findet man Szenen mit Brezeln und fränkischen Spitzwecken. Köstlich.





Creglingen
Auch in dem alten Städtchen Creglingen gibt es ein Jüdisches Museum. Unweit der ehemaligen Synagoge neben dem erhaltenen Faulturm, die Synagoge ist heute ein Gasthaus. Mit Zustimmung der zuständigen jüdischen Gemeinde übrigens.


 Verästelungen im Stammbaum des ersten jüdischen Einwohners





Getragen von einer Privatinitiative und finanziert rein aus Spenden zeigt sie in einem umgebauten Bauernhaus die Geschichte der Crailsheimer Juden. Nichts für schwache Gemüter. Abgesehen von den schwierigen Lebensverhältnissen, die aber in Crailsheim auch nicht anders als anderswo waren. Schwierig genug für assimilierten Juden, die sich heimisch und als Deutsche, als gute Deutsche fühlten. Die in den Kriegen sich als gute Deutsche zeigten und für Deutschland kämpften, unabhängig davon, wie man diese Kriege heute beurteilt.



Und noch ein Blick auf die überregionale Bedeutung der Creglinger Juden. Ralph D. Blumenfeld, Herausgeber des überaus bedeutenden Daily Telegraf, führte am 8. Januar 1927 das erste transatlantische Telefongespräch mit Ralph Pulitzer.

Nichtsdestotrotz fanden am 25. März 1933 hier die ersten organisierten Misshandlungen der jüdischen Bevölkerung statt, der Männer wohlgemerkt, die grün und blau geschlagen wurden. Zwei starben an den Misshandlungen, ein drittes Todesopfer war zu beklagen, als sich eine herzkranke Frau so darüber aufregte, dass auch sie starb. Der bzw. die Rädelsführer wurden übrigens dank der Courage eines Ex-jüdischen-Bürgers, der als amerikanischer Besatzungsoffiziers hier Dienst tat, verhaftet, aber für angesichts ihrer Verbrechen lächerlich kurzen Freiheitsstrafen verurteilt. Kein Ruhmesblatt für die deutsche Justiz der Nachkriegszeit, aber auch nichts Außergewöhnliches, wenn man sich die Rechtsprechung in Deutschland insgesamt in dieser Frage ansah. 



Das Museum selbst wurde wie gesagt aus einem Stall umgebaut. So perfekt, dass es einen Preis der Architektenkammer für vorbildliches Bauen erhielt. Auch für das Museum hagelte es Auszeichnungen. Trotzdem ist es auf Spenden angewiesen, denn öffentliche Mittel für den Betrieb gibt es nicht, und auch das Personal ist ehrenamtlich tätig. Seine Existenz verdankt es übrigens dem amerikanischen Juden Arthur S. Obermayer Creglinger Herkunft, der das Haus kaufte und dem Museum zur Verfügung stellte.



Heute noch kommen immer wieder Nachkommen der Creglinger Juden mitsamt Verwandtschaft zu Besuch, aus den USA sowieso, aber auch aus Brasilien, Frankreich und der Schweiz.

Zu sehen sind heute noch außer dem Museum mit seinen vielen interessanten Exponaten eine Eingangstafel am Parkplatz an der Tauber und eine Gedenktafel im Alten Rathaus. Das Museum selbst sollte auf einer Reise ins Taubertal, auch wenn es keine vergnügliche und leichte Reisestation ist, unbedingt besucht werden. Wer sich intensiver damit beschäftigen will: Es gibt im Museum eine informative Broschüre „Jüdisches Creglingen. Ein Gang durch die Stadt“.

Auch weiteres Informationsmaterial liegt bereit, und die bestens informierten ehrenamtlichen Mitarbeiter stehen für Auskünfte zur Verfügung.

Literatur:
Claudia Hummel: Jüdisches Creglingen. Ein Gang durch die Stadt.


Bad Mergentheim
Die ehemalige Synagoge ist passé. Zum Opfer gefallen in der eingangs erwähnte „Reichsverbrechernacht“. Aber es gab sie. Und eine reiche jüdische Geschichte in der Deutschordensstadt.
Eine kleine, aber informative Ausstellung zum Judentum in der Stadt bietet das Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim.

Beeindruckend sind hier die Linolschnitte des Künstlers Hermann Fechenbach, der vor allem im Exil das Nazídeutschland in seinen üblen Erscheinungsbildern, vor allem aber in seinen abstoßenden Repräsentanten  zeigte. John Heartfield mit seinen politischen und agitatorischen Kunstwerken lässt grüßen.




Literatur:
Zwischen Heimat und Exil. Der Künstler Hermann Fechenbach. 1897-1986.

Tauberbischofsheim
Ein kleines Museum, das an das ehemalige jüdische Leben in Tauberbischofsheim erinnert findet man in einem ehemaligen Bürgerhaus von 1461. Es diente einst als Fruchtspeicher, später als Wohnhaus und Werkstatt eines Schusters. 



In der Stadt selbst waren die Juden ein wichtiger Wirtschaftsfaktor; zu Beginn der Naziherrschaft zählte die jüdische Gemeinde 126 Mitglieder. 



Zu sehen sind noch einige Exponate, die von einem rührigen Verein betreut werden. Auch sonstige Zeugnisse des alten Tauberbischofsheim wie alte Sandsteinsäulen sind zu sehen.
 




Literatur:
Von der Arbeit des Vereins und Forschungsergebnissen erzählen auch einige Publikationen.


Wenkheim
Eine der unbekannteren Orte im Lieblichen Taubertal ist Wenkheim. Ich hatte Glück, ich durfte an einer Führung durch die ehemalige jüdische Synagoge teilnehmen und den jüdischen Friedhof besuchen. 
 

 
Schon von außen fasziniert er wie alle jüdischen Friedhöfe:. Eine andere Beerdigungskultur, eine andere Vorstellung vom Leben nach dem Tod, ein anderer Glaube eben. 







 
Wenkheim hat zwei Sehenswürdigkeiten, die auf das einstige jüdische Leben Bezug nehmen zu bieten. Da ist zum einen „die Schul“. Dies ist die ehemalige Synagoge, die wie durch ein Wunder einigermaßen unbeschadet Deutschlands schlimmste Jahre überstanden hat und mittlerweile nicht nur renoviert und mit zahlreichen Veranstaltungen wieder zu neuem Leben erweckt wurde. 





Sie ist auch als Ausstellungsort für jüdisches Leben in Wenkheim, in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland eine grandiose Einrichtung. 
 

 Mikwe im Original

Man sieht zum Teil noch die ehemalige Einrichtung und einige Gegenstände von früher, man findet vor allem aber zahlreiche Informationstafeln, deren Zusammenstellung sicher eine Menge Arbeit, Schweiß und ehrenamtliche Stunden gefordert hat. 



  
Ein vorbildliches Projekt, dem zahlreicher Zuspruch zu wünschen ist. Der Trägerverein mit seiner agilen Vorsitzenden und weiteren nicht minder engagierten Mitgliedern tut alles dafür.


Koscheres Essen
Man kennt den Begriff, kann aber meist nicht viel damit anfangen. Ist halt ein „Essen der Juden“. Eine andere Art der Zubereitung. Damit hört das Allgemeinwissen aber auch schon auf. In der „Schul“ in Wenkheim wurde es mir erklärt. Wir durften in der Synagoge koscheres Essen probieren, das die Vorsitzende Dr. Katharina Bähne selbst für uns zubereitet hat.
 


Danach wurden wir von dem mit der Materie bestens bewanderten ehemaligen Gemeinderat Walter Schmidt und ebenfalls überaus aktiven Vereinsmitglied in den tiefen Wald geführt: Zum jüdischen Friedhof, der dort in der Einsamkeit vor sich hinschlummert, wie es ja auch seine Bestimmung ist. Eine Ruhe sondergleichen liegt über dem Ganzen, man hat eine herrliche Aussicht und kann sich Grab um Grab ansehen.

Der Jüdische Friedhof Wenkheim wurde ab 1590 wurde östlich des Ortes, heute unmittelbar an der Landesgrenze Baden-Württemberg und Bayern, angelegt.  





 
Auf dem knapp 56 Ar großen Friedhof sind heute noch 674 Grabsteine vorhanden. Der älteste von ihnen stammt von 1706 und ist heute noch vorhanden. Die letzte Bestattung fand 1939 statt. Hier wurden auch die Toten bayerischer Grenzgemeinden beigesetzt.








Interessant in jüdischen Friedhöfen sind die Grabsteine. Sie werden ein Jahr nach der Bestattung in einer besonderen Zeremonie gesetzt bzw. enthüllt; sie symbolisieren die Verpflichtung, Verstorbene nicht zu vergessen. Die toten liegen mit dem Gesicht nach Osten, woher die Auferstehung kommen soll. Gebeine auf jüdischen Friedhöfen dürfen nie entfernt werden, es gibt keine Grab- oder Friedhofspflege (heutige Sicherungsmaßnahmen ausgeschlossen). 
 





 
Etwas Besonderes sind die Steine auf den Grabsteinen – die man allerdings in Wenkheim nicht findet. Es ist üblich, dass Angehörige einen kleinen Stein auf den Grabstein legen. Damit soll gezeigt werden, dass der Verstorbene nicht vergessen ist.

Literatur:
u.a. Elmar Weiss: Zeugnisse jüdischer Existenz in Wenkheim

Wertheim
Wer sich für Spuren jüdischen Lebens in Wertheim interessiert, sollte sich zuerst einmal im Grafschaftsmuseum umsehen. Die Ausstellung zur Geschichte der Juden in Wertheim – und vor allem zu ihrem tragischen Ende – ist zwar nicht groß, aber trotzdem informativ und führt gut in das Thema ein.




Jüdisches Leben in Wertheim

Das Grafschaftsmuseum in Wertheim informiert u.a. mit folgenden Texten zur Geschichte der Juden in Wertheim.

Juden in Wertheim
Die Geschichte der Juden in Wertheim war im Laufe der Jahrhunderte geprägt von Zustimmung, Duldung und Ablehnung. 1222 wird erstmals ein jüdischer Bürger aus
Wertheim erwähnt.

1373 unterstanden die Wertheimer Juden den ihnen wohlgesonnenen Grafen.

1528 verbot ihnen die 1.Wertheimer Judenordnung den Ladenverkauf. Sie mussten ihre Waren auf dem Marktplatz verkaufen.

1622 lebten 16 Familien in Wertheim, die wegen hoher Sonderabgaben für Juden zum Teil abwanderten.

1793 zählt die Stadt stattliche 73 jüdische Einwohner.

1862 wurde ihnen die vollständige bürgerliche Gleichstellung im Großherzogtum Baden zugestanden.

1900 erreichte die jüdische Gemeinde mit 201 Personen die größte Mitgliederzahl.

1924 lebten noch 110 jüdische Bürger in Wertheim.

1939 sank die Zahl auf 21 wegen Aus- und Abwanderung.

1940 wurden 16 von ihnen in das Internierungslager G
Urs in Frankreich verschleppt. Zwei starben dort, sieben wurden befreit, und sieben in Auschwitz ermordet.
Heute erinnern „Stolpersteine“ in der Stadt an die ermordeten Bürger.

Synagogen
Wertheim besaß im Laufe der Jahrhunderte fünf Synagogen. Die erste in der heutigen Kapellengasse existierte vermutlich bis 1349. An deren Stelle errichtete man, wie anderswo auch, eine christliche Marienkapelle. Die späteren Synagogen lagen allesamt im „Brückenviertel“ nahe der Stadtmauer, dem heutigen Neuplatz. Die jüdische Gemeinde wurde im Sommer 1938 gezwungen, ihre Synagoge an die Stadt zu verkaufen. Deshalb wurde diese während der Reichspogromnacht am 9.11.1938 nicht zerstört. Die Inschrift des Türsturzes der letzten Synagoge, die im Jahr 1961 abgebrochen wurden, erinnert an die Einweihung des Gebäudes im Jahr 1799. Dieser Stein ist am heutigen Neuplatz, dem ursprünglichen Synagogenstandort, Teil der Gedenkstätte für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger.

Wertheim im Nationalsozialismus
Seit Ende der 1920er Jahre begann auch in Wertheim die Propaganda der Nationalsozialis
ten. Sie sprach die unterschiedlichsten Interessen, Hoffnungen und Ängste an. Nach der politischen Machtergreifung 1933 griffen die neu erlassenen Reichsgesetze zur Entrechtung der jüdischen Einwohner auch in unserer Stadt und wurden teilweise mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen demonstriert.

Wertheim und der Widerstand
Während des Dritten Reichs durchlitten die jüdischen Wertheimer sämtliche Stationen der Entrechtung und Ausgrenzung bis hin zur Ausweisung und Ermordung. Kaum jemand der anderen Bewohner wagte Solidarität mit ihnen zu zeigen. Einer der wenigen war der katholische Stadtpfarrer Karl Bär, der daraufhin denunziert wurde. Einen ihm nahegelegten Versetzungsantrag verweigerte er aber vehement. Er setzte seine Tätigkeit hier fort und wurde 1960 zum Ehrenbürger ernannt. Ganz bewusst entschied man sich seitens des Schulträgers, den Neubau des Gymnasiums nach dem 1943 hingerichteten Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer zu benennen, der ab April 1933 öffentlich Stellung zur Judenverfolgung bezog und deshalb auch hingerichtet wurde . In der Beschäftigung mit dem Namensträger setzen sich die Schüler so mit dem historischen und aktuellen Antisemitismus auseinander.

Der jüdische Friedhof
Der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Wertheim ist
der älteste in ganz Baden. 1406 erwarb sie das Gelände. Der früheste Grabstein datiert bereits aus dem Jahr 1405. 498 Steine haben sich erhalten, davon 70 aus dem 15. Jahrhundert. Sie sind größtenteils noch sehr gut lesbar. Die Inschriften sind größtenteils in Hebräisch gehalten. 1844 wurde auf dem Grabstein der Karoline (Lea) Fleischmann erstmals die deutsche Sprache verwendet. 1938 fand auf dem Wertheimer Friedhof die letzte Beerdigung statt.

Quelle: Grafschaftsmuseum Wertheim


Rundgang durch Wertheim: 
Auf den Spuren der jüdischen Bevölkerung

Die Judenschaft hier war bedeutend für die Stadt. Handelshäuser, Bankhäuser die eine wichtige Rolle neben den auch hier lebenden armen Juden waren ein wichtiger Faktor in der Stadt. Einige Häuser zeugen noch davon. 
 

 Auch in Wertheim sind Stolpersteine zu finden.

Um 1900 betrug die jüdische Bevölkerung mit 200 Einwohnern etwa 5,5 vH der Bevölkerung. Eine Wanderung auf den dessen Spuren führt zu für die jüdische Bevölkerung bedeutsamen Plätzen, Häusern und Menschen.
 



Danach empfiehlt es sich, eine Führung zu diesem Thema mitzumachen. Die Stadtführer/innen wissen bestens Bescheid darüber, auch unsere Führerin Frau Schwarz führt uns zu für Laien nicht mehr zu erkennenden Häusern, zu versteckten Sehenswürdigkeiten, zur ehemaligen Synagoge, zu den zahlreichen Stolpersteinen und anderen Zeugnissen früheren jüdischen Lebens hier.





Nicht versäumen sollte man auch einen Besuch des jüdischen Friedhofs, der zwar wie üblich außerhalb der Stadt liegt und zudem steil am Hang – dessen Besuch sich aber lohnt. Zahlreiche sehenswerte Grabsteine belohnen für die Mühe. Dass auch durchreisenden Juden, die hier auf Kreuzfahrt auf dem Main unterwegs sind, den Weg zu ihm finden, bezeigen die zahlreichen Steine, die nach jüdischer Sitte auf den Grabsteinen abgelegt werden.




Külsheim – Brunnenstadt mit jüdischer Geschichte
Das idyllische Külsheim wird Stadt der Brunnen genannt. Nicht umsonst, gibt es hier doch 18 Brunnen. 
 
Aber man findet auch Spuren jüdischer Geschichte. Zum Beispiel einen der größten jüdischen Friedhöfe in Nordbaden.


Auch der Anteil der jüdischen Bevölkerung war groß: 1852 waren mit 250 Juden 12 vH der Bevölkerung jüdischen Glaubens. Sie waren in der Regel wirtschaftlich gut gestellt und führten zum Beispiel teilweise die Geschäfte der Külsheimer Bauern. 
 




Alfred Bauch führte uns durch die Stadt und erzählte aus seinem reichhaltigen Wissensschatz. Viel erhalten ist ja nicht, das eine oder andere Haus – oder zumindest konnte er uns die Stelle zeigen wo es gestanden hat, die eine oder andere historische Markierung. Von der Synagoge und der Mikwe ist auch nichts mehr vorhanden, nur ihr Platz noch vorhanden.




Wenn man durch den Ort geht findet man auch Stolpersteine.

Dafür besitzt Külsheim mit 1000 Gräbern einen der größten jüdischen Friedhöfe Badens. Er war sicherlich deshalb so groß weil in Külsheim als Verbandsgemeinde auch Juden aus den umliegenden Orten bestattet wurden.
 








Die wichtigen Orte sind mit Tafeln markiert. Mittels QR-Codes kann man weitere Informationen abrufen.


Abgesehen von den Zeugnissen jüdischer Kultur gibt es im Lieblichen Taubertal noch mehr zu sehen. Hier finden Sie einen Artikel über eine Reise von Rothenburg ob der Tauber bis Wertheim.
 

Info:
Hotel Glocke, Am Plönlein 1, 91541 Rothenburg o.d.T., www.glocke-rothenburg.de
Liebliches Taubertal, Telefon 09341 825806, www.liebliches-taubertal.de, touristik@liebliches-taubertal.de
Rothenburg Touristik Service, Telefon 09861 404-800, www.rothenburg.de/tourismus,

Jüdische Kulturwoche, 13.-22. Oktober 2018 (immer zwei Wochen im Oktober.

Creglingen


Bad Mergentheim

Wertheim

Külsheim


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